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Making-of / Guide

Wie VERSA entstand

Eine Website, auf der die Schrift der Hauptdarsteller ist — und alles andere Bühne. Dieser Guide dokumentiert, wie die kinetische Typografie funktioniert und was in den drei Iterationen passierte.

1 — Das Konzept

Die These der fiktiven Foundry steht im Essay der Seite selbst:

Schrift ist Sprache, die man sehen kann — und Bewegung ist ihr Tonfall.

Also muss die Seite es vormachen: Die Wortmarke reagiert auf die Hand, Überschriften dehnen sich mit der Scrollgeschwindigkeit, jede Glyphe im Katalog antwortet auf Berührung. Gestaltung: Papierweiß, Schwarz, ein einziges Klein-Blau, sichtbares Raster wie auf einer Reinzeichnung — die helle, stille Bühne für einen beweglichen Star.

2 — Die Technik

Feder-Physik auf Buchstaben

Der Kern-Effekt braucht kein Framework, nur zwei variable Achsen und eine Feder pro Buchstabe. Jeder Buchstabe hat Zustand (Gewicht, Breite, Geschwindigkeit); der Cursor-Abstand bestimmt das Ziel, eine gedämpfte Feder folgt ihm weich:

var influence = Math.max(0, 1 - distanz / 340);
ziel_wght = 700 - 580 * influence;   // nah = federleicht
ziel_wdth = 100 +  50 * influence;   // nah = breit
v = (v + (ziel - ist) * .09) * .82;  // feder + dämpfung
el.style.fontVariationSettings = "'wght' …, 'wdth' …";

Ohne Mausbewegung (oder auf Touch-Geräten) übernimmt nach 2,8 Sekunden eine Sinus-Welle — die Buchstaben „atmen“ von selbst.

Scroll-Velocity als Achsenwert

Die Scrollgeschwindigkeit wird geglättet (vel = vel*.88 + delta*.12) und auf die Breitenachse der Überschriften gemappt: Wer schnell scrollt, sieht die Headlines sich strecken. Ein Live-Readout unter der Wortmarke zeigt die aktuellen Achsenwerte — Didaktik als Feature.

Das Specimen-Labor

Drei Range-Slider schreiben direkt in font-variation-settings eines contenteditable-Absatzes: Besucher testen die „Schrift“ mit eigenem Text. Kein Canvas, kein WebGL — hier ist der variable Font selbst die Technologie.

3 — Die drei Iterationen

ITERATION 1 · KOMPOSITION & MOTION

Der Rand kehrt zurück

ITERATION 2 · EDITORIAL & RESPONSIVE

Das Specimen wird vollständig

ITERATION 3 · ROBUSTHEIT

Leise Pflichten

4 — Den Prozess reproduzieren

  1. Einen Star wählen: Hier trägt ein einziger variabler Font (Anybody, SIL OFL) mit extremen Achsen die ganze Seite. Erst prüfen, welche Achsen ein Font wirklich hat — dann gestalten.
  2. Physik statt Keyframes: Feder + Dämpfung (5 Zeilen) wirkt organischer als jede CSS-Animation, weil sie auf den Menschen reagiert statt abzulaufen.
  3. Didaktik einbauen: Live-Readouts und Slider machen die Technik selbst zum Inhalt — ideal für Portfolio-Studien.
  4. Iterieren nach Sichtprüfung: Kaskaden-Fehler (Padding), fehlende Specimen-Teile (Glyphen), Robustheit — jede Iteration ein Fokus.
  5. Werkzeuge: Claude Code (Fable 5), reines HTML/CSS/JS, keine Dependencies, Netlify-Deploy.

Teil der Serie „5 Websites, 5 Welten“ — fünf grundlegend unterschiedliche, technisch anspruchsvolle Websites, jede mit eigenem Guide.

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